1. Augsburger Schreibwerkstatt

 

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Überblick

Die 1. Augsburger Schreibwerkstatt wird mit Schülerinnen und Schülern einer 8. Klasse einer Hauptschule und Studierenden der Universität Augsburg durchgeführt und von der Virtuellen Schule begleitet. 
Besonderer Wert wird bei der Erarbeitung gelegt auf

  • die in der gegenwärtigen Schreibdidaktik formulierten Schwerpunkte,
  • die sinnvolle Einbeziehung digitaler Medien,
  • den externen Kontakt mit einer Kinder- und Jugendbuchautorin und mit der Fachdidaktik Deutsch der Universität Augsburg,
  • Nachhaltigkeit durch Veröffentlichung im Internet.


Fachdidaktischer Hintergrund  

Schreiben ist eine wichtige Kulturtechnik. Schreiben dient der Bewältigung von pragmatischen Lebenserfordernissen, vom einfachen Einkaufszettel bis zum ausführlichen Bewerbungsschreiben. Schreiben ist aber auch ein Mittel der Imagination und der Identitätsbildung, vom Tagebuch bis zum Facebook-Profil.

Schulisches Schreiben auf dem fachdidaktischen Stand …

  • umfasst ein breites Spektrum an Textfunktionen und Textsorten.
  • geschieht nicht nur mit Stiften auf Papier, sondern auch in der Umgebung neuer Medien.
  • ist nicht einseitig auf die Textprodukte, sondern auf den gesamten Schreibprozess hin orientiert.

Der Lehrplan Deutsch für die bayerische Hauptschule spiegelt diese Prinzipien. Stets beinhaltet das Schreiben auch das Vorbereiten und Überarbeiten von Texten. In Jahrgangsstufe 8 ist Erzählen ebenso vorgesehen wie Informieren und Argumentieren, stärker gebundenes Schreiben ebenso wie freies und kreatives Schreiben, herkömmliche Schreibumgebungen ebenso wie Computer, Mail und Chat.

In dem hier unternommenen Projekt in einer 8. Jahrgangsstufe der Hauptschule laufen schreibdidaktische Prinzipien und Lehrplanvorgaben zusammen.


Geplanter Projektverlauf

1.    Die Schülerinnen und Schüler schreiben den Anfang einer Sciencefiction-Geschichte der renommierten Autorin Heidemarie Brosche weiter und üben sich so neben dem gestaltenden Erzählen auch im Lesen. 2.    Aus der Geschichte heraus sind zwei für die berufliche Orientierung wichtige Textsorten zu erarbeiten: der „fantastische Lebenslauf“ und ein Bewerbungsschreiben der Hauptfigur. Auch innerhalb des fiktionalen Rahmens müssen Lebensläufe und Bewerbungsschreiben formalen und funktionalen Anforderungen der Textsorte entsprechen, erhalten aber zusätzlich ein spielerisch-imaginatives und hoffentlich motivierendes Element. 3.    Die Texte werden zunächst in ein Wiki der Virtuellen Schule (Bereich www.uebergaengegestalten.de) eingestellt. 4.    Die Studierenden eines parallel laufenden Seminars am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Augsburg (Prof. Dr. Klaus Maiwald) (http://www.philhist.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/germanistik/didaktik/) werden zu Schreibpaten. Im Wiki lesen und kommentieren sie die Texte und geben Hilfestellungen für deren Überarbeitung. Denkbar ist weiter, dass die Studierenden selbst schreiben und sich etwa in einem Lebenslauf bei den Schülerinnen vorstellen. 5.    Die Ergebnisse werden auf der öffentlich zugänglichen Webplattform www.uebergaengegestalten.de veröffentlicht und in die Virtuelle Schule ( www.virtuelle-schule.de ) eingestellt.Das Projekt ist geplant ab Mai 2011; ab Januar 2011 läuft mit einer Klasse und noch ohne Studierende zunächst ein Pilotversuch.

Daran nehmen teil:

  • Heidemarie Brosche, Kinder-, Jugend- und Sachbuchautorin und Lehrerin an der Schiller-Volksschule Augsburg-Lechhausen 
  • Uschi Kammerer, Lehrerin an der Volksschule Augsburg-Firnhaberau
  • Von der Virtuellen Schule  die beiden Projektleiter
 Irma Amrehn, Schulamtsdirektorin und 
Rudi Schmitt, Ltd. Oberstudiendirektor a. D.
  • Dr. Claudia Pecher, Wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Augsburg 
  •  Prof. Dr. Klaus Maiwald, Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Augsburg (http://www.philhist.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/germanistik/didaktik/team/maiwald/)


Quellen

  • 
Abraham, Ulf / Kupfer-Schreiner, Claudia / Maiwald, Klaus (Hrsg.): Schreibförderung und Schreiberziehung. Eine Einführung für Schule und Hochschule. Donauwörth: Auer 2005.
  • Lehrplan für die bayerische Hauptschule, Jahrgangsstufe 8
1. Augsburger Schreibwerkstatt

v.l.n.r.: Heidemarie Brosche - Uschi Kammerer - Dr. Klaus Maiwald - Irma Amrehn und Rudi Schmitt - Gabriele Unverdorben

1. Augsburger Schreibwerkstatt
Im Sommer 2010 entstand im Gespräch zwischen Dr. Claudia Pecher (Vizepräsidentin der Dt. Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. und damals Dozentin an der Universität Augsburg) und der Augsburger Kinder- und Jugendbuchautorin Heidemarie Brosche die Idee eines virtuellen Schreibprojekts. Das Hauptanliegen war es, diesmal ein Schreib- und Leseförderungsprojekt in der Sekundarstufe 1 gezielt für Hauptschüler der Jahrgangsstufen 8 und 9 anzubieten. Würde es von Vorteil sein, sich das ureigenste Medium der jungen Generation zunutze zu machen und damit deren Lese- und Schreibtechniken zu erweitern?
Schnell konnte Rudi Schmitt von der Virtuellen Schule dazu gewonnen werden, die technischen Voraussetzungen in Form eines Wiki zu schaffen. Und ebenso rasch war das Interesse bei Prof. Maiwald, Lehrstuhlinhaber Fachdidaktik Deutsch an der Universität Augsburg, geweckt. Es schien ihm vorstellbar, im Sommersemester 2011 ein Seminar anzubieten, in dem Lehramtsstudenten als betreuende „Wiki-Paten“ der Schüler agieren.
Ein Pilotprojekt – noch ohne Studenten - sollte Aufschluss geben, wie die Schüler das Medium in diesem neuen Zusammenhang annehmen und mit den technischen Gegebenheiten zurechtkommen würden. Uschi Kammerer von der MS Firnhaberau musste nicht lange gebeten werden, mit ihrer Klasse 8b dabei zu sein. 
Die Aussicht, mit einer bekannten Autorin in kreativen Dialog zu treten, und die Möglichkeit, am PC eigene Texte schreiben zu dürfen, schien den Schülern äußerst verlockend, so dass eine hohe Motivation von Anfang an gegeben war. 
Vor dem eigentlichen Schreibprojekt beschäftigte sich die Klasse mit der Person der Autorin und ihren Werken: Recherche im Internet, Besuch der Homepage, Presseartikel und zuletzt eine gemeinsame Klassenlektüre des Jugendromans „Schilly-Billy Superstar“. All dies schuf eine arbeitsfreudige Grundstimmung, die Schüler zeigten sich „zu Höchstleistungen bereit“.
Danach fiel der Startschuss: Schüler und Lehrerin setzten sich im Rahmen des Deutschunterrichts  gemeinsam an die PCs im Informatikraum und besuchten das Wiki der Virtuellen Schule. Dort wartete bereits Heidemarie Brosches Begrüßungstext auf die Schüler. Nach einigen Erklärungen zur Handhabung des Wiki lasen die Schüler den erzählenden Text, der für die Schüler durch Situations- und Problemvorgabe Anlass zum Weiterschreiben bot: Weiterführung der Erzählung, Bewerbungsschreiben und Lebenslauf.
Das gelenkte weiterführende Schreiben erwies sich dabei als besonders motivierend. Mit überquellender Fantasie manövrierten sich manche Schüler in Erzählsituationen, aus denen sie entweder mit Hilfe von Lehrer- und/oder Autorenkommentaren oder durch eigene Ideen wieder herausfinden konnten. Andere fanden Sicherheit im vorgegebenen Rahmen.
Der virtuelle Dialog eröffnete neue Möglichkeiten: Einerseits konnten die Schüler die Texte ihrer Klassenkameraden lesen und kritisch kommentieren, andererseits mussten sie sich bei ihren eigenen Texten der Kritik ihrer Klassenkameraden stellen und diese wiederum schreibend umsetzen. 
Überhaupt wirkte sich das Arbeiten im Wiki äußerst positiv aus. Die Schüler genossen es, eine eigene Plattform innerhalb des Word Wide Web für sich zu haben.
Uschi Kammerer

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