Der alte Detektiv

Paul Maar: Der alte Detektiv
 
“Wenn ich...”, begann Bruno Wallhof.
Herr Wallhof war in den zwanziger Jahren einer der bekanntesten deutschen Detektive gewesen. Frau Dungelbeck, seine Vermieterin, hörte immer gerne zu, wenn der alte Mann von früher erzählte.
Bruno Wallhof saugte erst mal genüsslich am Mundstück seiner Pfeife.
“Wenn ich darüber nachdenke...” Ein erneutes Saugen unterbrach den Satz zum zweiten Mal. Frau Dungelbeck blickte ihn leicht genervt an, obwohl sie sich doch vorgenommen hatte, nicht die Geduld zu verlieren und dem Alten nachsichtig zuzuhören.
“Wenn ich darüber nachdenke, welches der schwierigste Fall in meiner jahrzehntelangen Laufbahn war...”
Jetzt schien seine Pfeife ausgegangen zu sein, denn er suchte in allen Taschen, bis er eine Streichholzschachtel gefunden hatte. Er warf sie dann aber achtlos auf den Tisch.
“Sie ist leer”, sagte er zur Erklärung, als er den fragenden Blick von Frau Dungelbeck spürte.
“Soll ich Ihnen Streichhölzer aus der Küche holen?”, fragte sie.
“Nicht nötig. Ich will sowieso das Rauchen aufgeben”, knurrte er. “Jetzt haben Sie mich unterbrochen und ich habe den Faden verloren!” “Sie wollten mir den schwierigsten Fall Ihrer Laufbahn erzählen”, erinnerte sie ihn.
“Richtig!” Nun nahm er die Pfeife sogar aus dem Mund und legte sie zur leeren Streichholzschachtel auf den Tisch. “Es wäre schön, wenn Sie mir dazu das Bild dort drüben aus der Schreibtischschublade holen würden.”
Frau Dungelbeck zog die Schublade auf und wühlte unentschlossen in einem Stapel alter Papiere.
“Dieses hier?”, fragte sie schließlich und hielt ein braunstichiges Foto hoch, das den jungen Bruno Wallhof in einem großkarierten Anzug zeigte.
“Ach was. Ich sagte Bild, nicht Lichtbild!” Bruno Wallhof setzte seinen Rollstuhl durch energisches Schieben an den Rädern in Bewegung. Er rollte hinüber zum Schreibtisch. Nun kramte auch er in der Schublade.
“Na, da ist es doch”, sagte er. “Ich verstehe nicht, weshalb Sie es übersehen konnten.”
“Ein ziemlich merkwürdiges Bild”, stellt Frau Dungelbeck fest, nachdem sie einen Blick darauf geworfen hatte. “Ein Elefant in einem Boot!”
“Geben Sie es her”, rief er. “Und lassen Sie mich bitteschön der Reihe nach erzählen. Ich hasse Unterbrechungen.”
“Ich auch”, hätte Frau Dungelbeck beinahe geantwortet. Aber sie wollte den alten Mann nicht kränken. So sagte sie nur: “Erzählen Sie!”
“Sie kennen sicher den berüchtigten Doktor Fu-Man-Tschu”, begann er.
“Nicht dass ich wüsste”, sagte Frau Dungelbeck. “Oder meinen Sie den Ohrenarzt aus dem Kreiskrankenhaus? Der heißt aber Doktor Fuhrmann, soviel mir bekannt ist.”
“Ach was, Fuhrmann!” Der Alte verzog unwillig das Gesicht. “Dieser Doktor Fu-Man-Tschu hatte jedenfalls die Frechheit, meinem damaligen Partner Tobias Schmitt ein tödliches Gift in den Rotwein zu kippen.”
“Der Ärmste”, sagte Frau Dungelbeck mitleidig. “ Und Sie mussten sich dann einen neuen Partner suchen.”
“Natürlich nicht”, antwortete Herr Wallhof. “Ich habe ihn selbstverständlich gerettet.”
“Aber Sie sagten doch, das Gift sei tödlich gewesen!”, wandte Frau Dungelbeck ein.
“Hatte ich Sie nicht gebeten, mich nicht zu unterbrechen?”, fragte Herr Wallhof streng.
“Natürlich war das Gift an und für sich tödlich. Es wirkte aber erst nach zwei Stunden. Genügend Zeit also für einen Mann wie mich, das notwendige Gegengift zu besorgen. Erst musste ich natürlich herausfinden, welches Mittel die Wirkung des Gifts aufheben konnte. Und da kamen mir, ich sage das ganz bescheiden, mein Charme und mein hübsches Äußeres zu Hilfe. Dieser Doktor Fu-Man-Tschu hatte nämlich eine Tochter.”
Fortsetzungen 

Fortsetzung A Klasse 5b Franken-Landschulheim Schloss Gaibach (Johannes, Ference, Kilian, Luca)

Version 1:

Nach einer kurzen Erzählpause fuhr Herr Wallhof fort:
“Ich suchte im Telefonbuch nach der Adresse von Doktor Fu-Man-Tschu. Als ich sie fand, fuhr ich, so schnell wie es ging, zu seinem Haus, denn ich wusste, dass er eine Tochter hatte und er seinen Urlaub in Japan angetreten hatte. Als ich dort ankam, klingelte ich und es öffnete sofort eine junge Dame. Es war seine Tochter Li-Sching.
Sie fragte mich gleich, wer ich sei. Ich antwortete mit lauter Stimme: “Ich bin Detektiv Bruno Wallhof. Und übrigens, Sie sehen schön aus.” Nun sagte Li-Sching geschmeichelt: “Oh, vielen Dank! Kommen Sie doch auf einen Kaffee mit hinein.” Als wir am Tisch saßen, erzählte ich ihr die ganze Geschichte. Als Li-Sching sie gehört hatte, rief sie entsetzt: “Das ist ja furchtbar! Warum kommen Sie zu mir?”
Ich erklärte: “Ihr Vater hat meinen Kollegen vergiftet und das Gegengift ist in diesem Haus.” Li-Sching rief: “Mein Vater hat einen Safe, vor dem ein Bild hängt, auf dem ein Elefant zu sehen ist.” Wir hatten, als sie mir das sagte, nur noch eine Stunde Zeit. “Ich sage Ihnen, wo das Gemälde hängt. Kommen Sie mit!”, sagte sie. Ich folgte ihr, und tatsächlich, da hing ein Bild, das genauso aussah, wie sie es mir beschrieben hatte. Sie hängte es ab und zum Vorschein kam ein Safe. “Jetzt fehlt nur noch der vierstellige Code”, erklärte sie mir. Wir probierten über 80 Codes aus, aber es stimmte keiner. Dafür brauchten wir eine halbe Stunde. Da kam mir ein Geistesblitz.”

 Jetzt bin ich natürlich gespannt, was das für ein Geistesblitz ist! Warum hilft Li-Sching dem Detektiv so bereitwillig? Würde sie nicht eher zu ihrem Vater halten? Oder hat der Detektiv sie irgendwie “betört”?


Die Gruppe hat die Fortsetzung überarbeitet:
Version 2:


Nach einer kurzen Erzählpause fuhr Herr Wallhof fort:
“Ich suchte im Telefonbuch nach der Adresse von Doktor Fu-Man-Tschu. Als ich sie fand, fuhr ich, so schnell wie es ging, zu seinem Haus, denn ich wusste, dass er eine Tochter hatte und er seinen Urlaub in Japan angetreten hatte. Als ich dort ankam, klingelte ich und es öffnete sofort eine junge Dame. Es war seine Tochter Li-Sching.
Sie fragte mich gleich, wer ich sei. Ich antwortete mit lauter Stimme: “Ich bin Detektiv Bruno Wallhof. Und übrigens, Sie sehen schön aus.” Nun sagte Li-Sching geschmeichelt: “Oh, vielen Dank! Sie übrigens auch! Kommen Sie doch auf einen Kaffee mit hinein.” Als wir am Tisch saßen, erzählte ich ihr die ganze Geschichte. Als Li-Sching sie gehört hatte, rief sie entsetzt: “Das ist ja furchtbar! Warum kommen Sie zu mir?”
Ich erklärte: “Ihr Vater hat meinen Kollegen vergiftet und das Gegengift ist in diesem Haus.” “Wieso sollte das mein Vater tun?”, fragte sie empört. Ich erzählte: “Mein Kollege war kurz davor, ein Verbrechen Ihres Vaters aufzuklären, von dem Sie nichts wussten. Deshalb hat er meinen Kollegen vergiftet.” Li-Sching rief: “Mein Vater hat einen Safe, vor dem ein Bild hängt, auf dem ein Elefant in einem Boot zu sehen ist.” Wir hatten, als sie mir das sagte, nur noch eine Stunde Zeit. “Ich sage Ihnen, wo das Gemälde hängt. Kommen Sie mit!”, sagte sie. Ich folgte ihr, und tatsächlich, da hing ein Bild, das genauso aussah, wie sie es mir beschrieben hatte. Sie hängte es ab und zum Vorschein kam ein Safe. “Jetzt fehlt nur noch der sechsstellige Code”, erklärte sie mir. Wir probierten über 80 Codes aus, aber es stimmte keiner. Dafür brauchten wir eine halbe Stunde. Da kam mir ein Geistesblitz: Wenn man die Anfangsbuchstaben von Elefant und Boot nimmt, so hat man die Buchstaben: E, L, B, O. Jetzt musste man die Anfangsbuchstaben durch die Zahlen ersetzen, an denen sie im Alphabet stehen. Dann erhielt man den Code: 5, 12, 2, 15. Nachdem wir den Code eingegeben hatten, bekamen wir den Safe auf. Ich holte das Gegenmittel aus ihm und steckte es ein. Wir hatten nur noch zehn Minuten Zeit. Wir fuhren, so schnell es der Verkehr zuließ, nach Hause. Jetzt hatten wir nur noch eine Minute Zeit. Ich verabreichte meinem Kollegen das Gegenmittel und er überlebte. Als Fu-Man-Tschu aus seinem Urlaub aus Japan zurückkam, wurde er noch am Flughafen festgenommen. So war das damals”, sagte Herr Wallhof.
“Das ist eine schöne Geschichte”, entgegnete Frau Dungelbeck.

Der Lesebär kommentiert:

Finde ich auch! Eure Änderungen gefallen mir gut und der Geistesblitz ist auch überraschend, stimmig und gut. (Jetzt würde mich nur noch interessieren, welches Verbrechen der Kollege Tobias entdeckt hat ;-).

Das Sams kommentiert:
Mir gefällt eure Geschichte wirklich sehr gut. Ich hatte mir beim Schreiben des Anfangs gedacht: Ob das mit dem Elefanten und dem Boot nicht ein bisschen zu schwierig ist? Wie sollen die Schüler einen Elefanten in einer normalen Detektivgeschichte unterbringen?! Ich wollte es fast schon ändern. Ihr habt es geschafft, und ich finde eure Idee großartig, geradezu genial.



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