2. Kitzinger Schreibwerkstatt: die Printveröffentlichung
2. Kitzinger Schreibwerkstatt
Von Irma Amrehn und Rudi Schmitt herausgegeben anlässlich der Schlusspräsentation des Projekts am 16.04.2010 in Kitzingen
Als im April 2009 im Rahmen der Abschlussveranstaltung der 1. Kitzinger Schreibwerkstatt begeisterte Grundschulkinder zusammen mit ihren Lehrkräften ihre selbst erstellten Texte vortrugen - mit großer Natürlichkeit, aber sehr stolz - waren sich alle Anwesenden einig: Der Versuch, Fortsetzungen zu den von der Kinderbuchautorin Anne Scheller verfassten Textanfänge weiterzuschreiben und dabei moderne Medien wie ein Wiki oder den Chat zu nutzen, war gelungen. Was lag näher, als dieses Projekt fortzuentwickeln! So entstand die von Schulamtsdirektorin Irma Amrehn und dem Ministerialbeauftragten für die Gymnasien, Rudi Schmitt projektierte und durchgeführte 2. Kitzinger Schreibwerkstatt.
Phasen des Projekts
Grundschüler und Gymnasiasten schrieben je eine von Paul Maar, dem bekannten Kinder- und Jugendbuchautor, verfasste Geschichte weiter. Paul Maar, assistiert von seiner Tochter Anne (bekannt durch viele Kinderbücher und Geschichten), verfasste in Gestalt des (bekannten) Sams Kommentare, die die jungen Autorinnen und Autoren bei der Überarbeitung berücksichtigten. So entstand in einer direkten Kommunikation zwischen Autor und Leser bzw. Schreiber ein idealer Lese-/Schreibprozess. Der wurde aber nur deshalb möglich, weil sich alle Beteiligten moderner Medien im Internet bedienten: Wiki, Chat und Web. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) wurde daran festgehalten, das Endprodukt als Printmedium in der Kitzinger Stadtbücherei vorzustellen.
Eine deutliche Weiterentwicklung erfuhr das Projekt durch die Ausweitung auf Gymnasialklassen. Ganz im Sinn der Aufgabe, den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen für das Kind möglichst förderlich zu gestalten, basierte die 2. Kitzinger Schreibwerkstatt auf einer nahezu gleichen Teilnehmerzahl von Grundschul- und Gymnasialklassen.
Zum Wandel ist nur der bereit, der ihn auch selbst mitgestalten kann
Damit ein solch komplexes Vorhaben erfolgreich werden konnte, bedufte es sehr differenzierter Vorüberlegungen. Das in Unterfranken seit Jahren erfolgreich praktizierte Vorgehen basiert auf der Grundüberlegung, dass man zuallererst die Beteiligten zusammenbringen muss: eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der sich anschließenden Maßnahmen. In unserem Fall war sie notwendig, um eine Einführung in die Erfordernisse der webbasierten Arbeitsweise zu geben. Erst dann konnten Inhalte erarbeitet und ausgetauscht werden. Die sich im Rahmen des Prozesses anschließende Phase der Schaffung von Strukturen übernahmen in diesem Fall dieses Buch sowie der Internetauftritt unter www.uebergaengegestalten.de der Virtuellen Schule.
Didaktische Überlegungen
Bereits bei der Auftaktveranstaltung, einer schulartübergreifenden Lehrerfortbildung in Iphofen, wurde deutlich, dass alle Beteiligten mit großen Erwartungen, aber auch mit Freude und Elan an das Projekt herangehen würden. Das lag sicherlich an den beteiligten Autoren und der Einbeziehung neuer Medien, hatte aber seine Ursache auch in der didaktischen und methodischen Vielfältigkeit:
- Lesen und Schreiben gehen eine besonders organische Verbindung ein.
- Ganz selbstverständlich wird eine Beziehung zwischen Autor und Leser hergestellt.
- Wesentliche Bedingungen des Schreibens (Situation, Absicht, Adressat) werden in einer realen Schreibsituation deutlich, ein Sachverhalt, der bei den meisten schulischen Schreibsituationen fehlt.
- Das Fortsetzen der Geschichten erfordert ein genaues Lesen der vorgegebenen Textanfänge. Die Deutschdidaktiker Otto Ludwig und Wolfgang Menzel haben schon vor Jahren darauf verwiesen, dass es auf „das Ineinandergreifen und das gegenseitige Verwiesensein von Techniken des Schreibens (...) sowie das Lesen als Fertigkeit und Fähigkeit zu Sinnentnahme und/oder literarischem Genuss“ ankomme.
- Die „sanfte“ Korrektur über das Medium des Sams oder des Lesebären wird von den jungen Autorinnen und Autoren akzeptiert und umgesetzt.
- Die Schüler erfahren viel über das literarische Leben.
- Individuelle Förderung wird im Rahmen des Projekts leicht möglich: Kinder können sich selbst zurechtlegen, was sie wie machen.
- Das Projekt folgt einem aktuellen und anerkannten Bildungsbegriff: Nach Werner Wiater lässt sich Bildung nicht „vermitteln“, d.h. nicht nur über Belehrung erreichen. Wenn Bildung eine „Konstruktion“ ist, also vom Lernenden selbst aufgebaut wird, braucht sie Situationen, in denen die Lernenden aktiv auswählen und eingreifen können. Solche Gelegenheiten erfahren Schülerinnen und Schüler bei der Schreibwerkstatt.
Die Reihe der didaktischen Besonderheiten ließe sich noch fortsetzen, denkt man beispielsweise an die Umsetzung von projektorientiertem Unterricht.
Der vorliegende Band soll von der Kreativität und dem altersgemäßen Können der jungen Autorinnen und Autoren einen Eindruck vermitteln. Er will darüber hinaus die direkte Begegnung von Kindern und Lehrkräften zweier Schularten fördern und als Anregung für ähnliche Schreibprojekte zwischen Grundschulen und Hauptschulen bzw. Grundschulen und Realschulen dienen.
Bei der Realisierung des Vorhabens haben wir vielfältige Unterstützung erhalten. Wir danken deshalb an dieser Stelle der Regierung von Unterfranken, der Knauf Gips KG Iphofen und der Virtuellen Schule e.V.
Würzburg, im März 2010
Irma Amrehn Rudi Schmitt
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