Vorösterliche Englischstunde zur Gestaltung des Übergangs

Vorösterliche Englischstunde zur Gestaltung des Übergangs

Von Martina Schwarz, Würzburg

Buntgetupfte, blaugestreifte,
sonnengelbe Schulstunden sollen Einblicke in das Schulleben von Schülern an der Nahtstelle zwischen Grundschule und weiterführender Schule gewähren, zum Nachdenken anregen, sensibilisieren.
Von einer kleeblattgrünen Englischstunde am Matthias-Grünewald-Gymnasium in der Klasse 5a von Dr. Holger Saurenbach wird in diesem Erfahrungsbericht von Martina Schwarz , der im Rahmen des Projektes „Übergänge gestalten“ entstanden ist, erzählt.           

Freitags, vor den Osterferien, sitzen die Fünftklässler in den Englischstunden im Klassenzimmer einer 8. Klasse. Zum Schulhalbjahr haben sie den Klassenraum gewechselt. Die Sonne scheint hell und freundlich in das Zimmer, dessen Wände für Grundschulverhältnisse leer und kahl erscheinen. „ Keine Merksätze gucken einen an, keine Verhaltensregeln schmuggeln sich ins Unterbewusstsein  - auch gut “, denke ich. Der Klassenraum – schlicht und ruhig – ist ein Nest, in dem sich ausschließlich Schüler, Lehrer, ein paar Sonnenstrahlen und Unterrichtsstoff  befinden. Ich vermisse heute österliche Spuren. Mein Blick wandert in eine offen stehende Büchertasche. Vielleicht entdecke ich hier wenigstens ein winziges Zeichen des nahenden Osterfestes, z.B. ein buntes Schokoei, das hier bereits versteckt wurde. Nein!
Der Osterhase war hier definitiv noch nicht, oder?!

Eine große Landkarte, auf der Großbritannien abgebildet ist, hängt an einem Ständer neben der Tafel. Ein Praktikant hat heute den ersten Teil der Englisch-Doppelstunde übernommen. Herr Saurenbach packt seine Beratungsunterlagen ein, holt die Stundenvorbereitungen für die folgende Englischstunde aus seiner Tasche „ Spielen wir jetzt ein Spiel? Bitte, es ist die letzte Englischstunde vor den Ferien“, betteln Fünftklässler bei Stundenwechsel. Herr Saurenbach zeigt sich nicht nachgiebig. Doch  Kompromiss bereit erwidert er ehrlich: „ Zuerst machen wir jetzt Grammatik, wenn noch Zeit übrig bleibt, spielen wir am Ende ein Spiel.“ Damit sind die Fünftklässler zufrieden.
Im ersten Teil der Stunde überprüfen die Schüler ihre umfangreichen Hausaufgaben selbständig anhand von Lösungsbögen, die sie paarweise erhalten haben, bearbeiten differenzierend zusätzliche Arbeitsaufträge. Herr Saurenbach und ich wandern durch die Sitzreihen, unterstützen die Schüler bei Bedarf, beraten, würdigen Getanes. Die Arbeitsatmosphäre im Klassenraum ist angenehm.
Bei der Sprachbetrachtung setzen sich die Schüler heute im Klassenverband mit der Bildung von Fragesätzen auseinander. Wann wird  ein Satz mit dem Hilfsverb to do gebildet, wann genügt das Verb alleine? Herr Saurenbach schreibt zwei Beispielsätze zur Veranschaulichung an die Tafel.

1.    Satz: Who comes to my party?
2.     Satz: Who do you invite?

Viele Finger schnellen in die Höhe. Es ist eine knifflige Frage und die Antworten sind nicht sofort treffend. Die Schüler tasten sich an das Problem heran. Herr Saurenbach leitet das Unterrichtsgespräch, gibt Denkanstöße. Köpfe rauchen. Eine Schülerin an der Türe sitzend, meint des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Sie meldet sich nun sehr heftig. Andere Schüler melden sich immer noch. Herr Saurenbach sagt plötzlich lachend ( jetzt spricht er deutsch): „Ja, das ist so spannend wie Ostereiersuchen. Die Marie zerspringt gleich.“ Er freut sich sichtlich über seine wissenshungrigen Fünftklässler, die alle nach dem riesigen durchsichtigen Überraschungsei greifen wollen, das sich auf einmal spürbar im Zimmer befindet. Nun wiederholt er seine Frage. Marie kichert, doch sie ruft ihre Antwort nicht rein. Sie hütet ihr Geheimnis, obwohl sie immer noch nicht an die Reihe kommt. Stattdessen ruft Herr Saurenbach Christine auf, die sich auch die ganze Zeit gemeldet hat. Ich spüre ein Knistern und Bitzeln in der Luft. Spannend, was wird die Schülerin antworten? Interessierte Blicke wenden sich Christine zu.
Sie antwortet: „ Zuerst muss ich einen Satz ins Deutsche übersetzen.“ Sie übersetzt den ersten Satz. Herr Saurenbach notiert an der Tafel mit.


1.    Satz: Wer kommt zu meiner Party?
Christine fährt fort: „ Die Antwort lautet z.B. They come to my party. Wer?- sie“ Dann erklärt sie weiter: „ Wenn die Frage ein Subjekt fordert, dann bilde ich sie einfach mit dem Verb. Marie nickt zustimmend. Herr Saurenbach kreist „they“ an der Tafel ein, schreibt „Subjekt“ daneben. Christine erklärt weiter. Diesmal übersetzt sie den zweiten Satz: „ Wen lädst du ein?“ Dann fährt sie fort, dass hier nach dem Akkusativobjekt gefragt wird ( I invite them.) und deshalb das Hilfsverb to  do im Fragesatz benötigt wird. (Ebenso ist es bei einer Frage nach dem Dativobjekt.)

„Das war aufregend“, denke ich. Die Klasse wendet nun die erarbeitete grammatikalische Regel an weiteren Fragesätzen mit Lücken an. Jetzt kommen Marie und viele weitere Fünftklässler zum Zug. Schließlich bleibt noch Zeit für ein Abschlussspiel.
Fröhliche Schulkinder verlassen den Klassenraum und mir ist glasklar, was das Erfolgsrezept dieser fruchtbaren Stunde war: Der Osterhase und gute Lehrer  verwenden die gleiche Methode. Sie wissen, entdecken macht Kinder glücklich!

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