Erfahrungen
... in Marktbreit (Unterfranken)
Ein Bericht von Alexandra Sauer
Erfahrungsbericht einer Grundschullehrerin an einem Gymnasium
1. Schwerpunkt meiner Tätigkeit: Team-Teaching
Kernstück meiner gymnasialen Tätigkeit als Grundschullehrkraft stellt in diesem, sowie auch im letzten Schuljahr die Form des „Team-Teachings“ dar. Team-Teaching versteht sich wörtlich und meint, dass beide Lehrkräfte (Gymnasial- und Grundschullehrkraft) die Klasse in der jeweiligen Unterrichtsstunde betreuen. In meinem Fall erfolgte das Team-Teaching (im folgenden TT genannt) in den beiden Schuljahren in einer Vielzahl von Fächern (Deutsch, Englisch, Mathematik, Natur und Technik) und bietet je nach Fach unterschiedliche Möglichkeiten in der Praxis:
● Die Klasse wird für diese Unterrichtsstunde geteilt und in der Kleingruppe unterrichtet, so z. B. in den Fächern in denen projektorientiertes Arbeiten erwünscht (z. B. Deutsch) oder Sprachpraxis von Bedeutung ist (z. B. Englisch)
● Die Klasse bleibt im Verband und wird gemeinsam von beiden Lehrkräften
unterrichtet, so z. B. in Natur und Technik um hier Experimente und Versuche
zu unterstützen. Bei dieser Form des TTs bietet sich eine gute Möglichkeit
differenzierte Schülerbeobachtungen zu führen oder Soziogramme zu
erstellen.
1.1 Bedingungen für das Gelingen des Team-Teachings
Bedingungen für das Gelingen des TTs liegen sowohl in äußeren wie auch in inneren Faktoren.
1.1.2 Äußere Faktoren
- TT-Stunden müssen im Stundenplan parallel liegen
- nach Möglichkeit keine Stunde, in der neue Lerninhalte vermittelt werden
- die Gruppen sollten nach dem Halbjahr getauscht werden, so dass jeder
Schüler die gleichen Bedingungen antrifft
1.1.3 Innere Faktoren
- bedeutendster Faktor: genaue und detaillierte Absprache mit dem betreffenden Fachkollegen
- TT verlangt ein hohes Maß an Flexibilität auf beiden Seiten
- Bereitschaft der Kollegen zur Zusammenarbeit muss vorhanden sein und der
gemeinsame Wunsch, diese Arbeit stets zu überdenken, neue Ziele zu
formulieren um die Effizienz zu steigern
- Kopplung an die Grundschule gestaltet sich besonders effizient, wenn es sich in der Grundschule um eine 4. Jahrgangsstufe mit dem gleichen Fach handelt, z. B. GS-Lehrkraft erteilt Englisch in einer 4. Klasse und ist am Gymnasium mit Englisch-TT in einer 5. Klasse eingesetzt
1.2 Praktische Möglichkeiten des Team-Teachings
Im Folgenden möchte ich einige praktische Möglichkeiten des TTs aufzeigen und be-
ziehe mich hier auf den Fachbereich Deutsch.
In Absprache mit dem Fachbetreuer Deutsch wurde im letzten Schuljahr der
Schwerpunkt bei Deutsch-TT auf die Leseförderung gelegt. Im Jahresverlauf ergaben
sich dann noch weitere Deutschteilbereiche, die in die TT-Stunden aufgenommen
wurden:
Leseförderung:
● Buchvorstellungen, „Schmökerstunden“
● Besuch der Bücherei
● Projekte zu epischen Kleinformen: Märchenprojekt zum „Tag der offenen Tür“
● Projekt zur Klassenlektüre: „Vorstadtkrokodile“
Weitere Möglichkeiten:
● Lernzirkel zu Themen aus der Rechtschreibung und Grammatik
● Differenzierungsmaßnahmen bei Textproduktionen
● Briefkontakt zu den Viertklässlern der ehemaligen Grundschule
1.3 Chancen und Grenzen des Team-Teachings
1.3.1 Chancen
● Die Unterrichtsform des Team-Teachings ermöglicht meiner Meinung nach ein sehr hohes Maß an Austausch und Kooperation der Lehrkräfte beider Schularten, die in dieser Intensität nur aus der alltäglichen Praxis erwachsen kann.
● Das TT als „Starthilfe“ für die neuen Gymnasiasten, da sie in diesen Stunden auf vertraute Arbeitsformen und gewohnte Rituale aus der Grundschule stoßen.
● Die verschiedenen Fachrichtungen (sprachlich und naturwissenschaftlich) im TT verhelfen mir zu einem ganzheitlicheren Persönlichkeitsbild des jeweiligen Schülers und ermöglichen so ein rasches Erkennen von Problemen und Entwickeln spezieller Fördermaßnahmen.
1.3.2 Grenzen
● Bereitschaft zur Kooperation und gegenseitige Akzeptanz müssen gegeben sein
● Äußere Differenzierung bei leistungsschwachen Schülern ist am Gymnasium problematisch
● Projekte, die über die Unterrichtsstunde hinausgehen, sind aus organisatorischen Gründen oft nicht leicht umsetzbar
● Form des Team-Teachings nicht überbewerten, da sie natürlich nur einen Ausschnitt in der Unterrichtspraxis bildet
2. Weitere Möglichkeiten zum Thema „Übergänge gestalten“
Im letzten Teil meiner Ausführungen möchte ich noch kurz auf weitere Möglichkeiten
zur Gestaltung des Übergangs eingehen, die sich bei unserer Zusammenarbeit
Grundschule – Gymnasium bewährt haben.
2.1 Arbeit mit den Tutoren
An einem Nachmittag in der Woche fand unter der Leitung der Beratungslehrerin und
mir, der Grundschullehrkraft, der sogenannte „Tutorennachmittag“ statt,
zu dem sich die Fünftklässler anmelden konnten. Nach einem gemeinsamen
Mittagessen in der Mensa konnten die „Kleinen“ unter Anleitung der Tutoren (speziell
ausgebildete Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe) Hausaufgaben
erledigen, Vokabeln wiederholen, spielen, basteln, Sport treiben oder auch Neues
zum Thema „Lernen lernen“ erfahren. Höhepunkte dieser Veranstaltungen bildeten
sicherlich die Weihnachtsfeier und die Faschingsparty. Diese Einrichtung nahmen die
Fünftklässler gerne an und bot eine gute Möglichkeit (auch für mich) Kontakte zu den
„Großen“ zu knüpfen.
(Anmerkung: Dieses Schuljahr ist das Tutorensystem in die Offene Ganztagsschule
eingebunden)
2.2 Beratungsfunktion
Im Probeunterricht konnte ich als beratende Lehrkraft zur Urteilsbildung über die
gymnasiale Eignung der Schüler beitragen.
Im Rahmen eines Vortrags am „Tag der offenen Tür“ konnte ich interessierte Eltern
darüber informieren, inwiefern sich die Schularten Grundschule – Gymnasium
unterscheiden, welche Probleme beim Übertritt auftreten könnten und wie man ihnen
begegnen kann. Insgesamt wurde die Beratungsstunde des Grundschullehrers am
Gymnasium im ersten Schuljahr jedoch sehr wenig genutzt. Dieses Jahr ist ein
Anstieg zu verzeichnen, der vermutlich darauf beruht, dass das Wissen um solch
eine Einrichtung wächst.
Alexandra Sauer GSL, Koordinatorin für der Übergang GS - GYM
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