Englischunterricht als Gegenstand der Kooperation

Englischunterricht als Gegenstand der Kooperation

Simon says: “How are you?”

Interessante Einblicke in den Anfangsunterricht im Fach Englisch, die zum Nachdenken und Hinschauen einladen und als Wegstein auf dem gemeinsamen Pfad von Grundschule und weiterführender Schule angedacht sind.  Von Martina Schwarz

Die Englischlehrer der 5. Klassen des  Matthias-Grünewald-Gymnasium, Dr. Holger Saurenbach, Friedrich Knorpp, Ines Koch und Bernhard Hönig arbeiten im Schuljahr 2009/2010 mit Grundschullehrerinnen der Goethe-Grundschule, der Mönchbergschule und dem Vinzentinum zusammen und sind Mitarbeiter des Projekts  „Übergänge gestalten“, das dieses Schuljahr in die zweite Runde geht. Die folgenden Unterrichtsbeispiele sind aus der Klasse 5a.

Lernfreude, Neugierde und eine gute Arbeitshaltung sowie die Kenntnis vielfältiger Arbeits-techniken und wechselnder Arbeitsformen, auf die zurück-gegriffen werden konnte, doch auch sehr unterschiedliche  Englischkenntnisse brachten die frischgebackenen Fünft-klässler aus der Grundschule mit ans Gymnasium.
In den 5.Klassen erwartete sie ein Englischunterricht, in dem sie die englische Sprache über verschiedene Lernkanäle lernten. Sie lauschten  Gesprochenem, schrieben, sprachen, lasen, sangen und spielten - auf Englisch, analysierten die fremde Sprache. Zeit zum Verweilen blieb keine.

Step 1: words

In einer der ersten Unterrichtsstunden gestalteten die Schüler und Schülerinnen der Klasse 5a in Gruppenarbeit Poster zu Themenbereichen, die sie bereits aus der Grundschule kannten: parts of the body, food and drinks, school, animals and plants, house, sports and hobbies. Die Schülergruppen erarbeiteten zusammen einen beachtlichen Grundwortschatz. In den Kleingruppen arbeiteten die Kinder zielorientiert und partnerschaftlich. Sie diskutierten, tauschten sich aus. Gruppensprecher präsentierten die Arbeiten vor dem Klassenplenum. Gerne übernahmen Schüler Verantwortung, die Ergebnisse vorzutragen.

Die Lerntechnik des Vokabellernens erklärte Herr Saurenbach seinen Schülern. Eine zusätzliche gemeinsame Vokabelkartei wurde angelegt, die in jeder Stunde von einem anderen Schulkind fortgeführt wurde.


Step 2: sentences
Das Kennenlernen der Fünftklässler untereinander wurde begünstigt durch das Schreiben von Steckbriefen, die im Klassenzimmer aufgehängt wurden. Kleine Sätze wie z.B. My name is…, I come from … oder my hobbies are…etc. waren bereits bekannt und wurden vorausgesetzt. Das Kennenlernspiel , Zuwerfen eines Balls mit der Anweisung sich auf Englisch vorzustellen, gelang problemlos.
In einer der folgenden Stunden wurde das Kennenlernspiel durch eine hübsche Variante erweitert. Ein Kind durfte aufstehen und sich hinter den Stuhl eines Mitschülers, einer Mitschülerin stellen und diese/n vorstellen. His name is …, her name is…, he is 10 years, she is….So ging es reihum. Die Erweiterung des englischen Wortschatzes und das Befassen mit der englischen Grammatik geschahen hierbei zunächst spielerisch.

Classroom English, das Verstehen kurzer Anweisungen gewann an Bedeutung. Auch hier besaßen die Kinder bereits ein Standbein aus ihrer Grundschulzeit. Die Sätze wurden umfangreicher: Give the chalk to some one else. Write down the things you have found. Leave your books open. Can you spell „blackboard“, please,…etc.
Das wunderbare Spiel „Simon says“ erfreute sich sofort großer Beliebtheit, frischte das „alte“ classroom English auf, erweiterte es um viele neue Sätze und half dabei, die Fünftklässler neugierig auf neue englische Wörter zu machen, um eigene Sätze zu formulieren.

Es galt folgende Regel:
-    Wenn „Simon says“ davor gesagt wird, müssen die Anweisungen genau so umgesetzt werden.
-    Ohne „Simon says“ muss genau das Gegenteil gemacht werden, also nur bei verneintem Imperativ darf die Anweisung ausgeführt werden.

Hier einige kurze Beispielsätze:
(Simon says) (don´t)

                             clap your hands
                             sing a song
                             sit on the floor
                             turn around
                             close your eyes        
                             look at Mr. Saurenbach
                             put your folder on your chair
                             laugh very loud
                             say ”how are you” to your neighbour

Step 3: texts
Von Schuljahresbeginn an schrieben und lasen die Fünftklässler Sätze und kurze Texte. Sie schrieben Briefe an ihre kooperierende Grundschulklasse der Mönchbergschule. In ihren Briefen stellten sich die Kinder mit ihren Interessen, Hobbys und Vorlieben auf Englisch vor. Nun warten sie gespannt auf Antwortbriefe.

Besonders viel Freude hatten die Schüler am Rollenspiel. Kurze Szenen aus dem Englischbuch wurden umgesetzt. Zuerst besprach Herr Saurenbach das neue Vokabular mit den Fünftklässlern. Dann lauschten die Kinder den Geschehnissen des Hörbeispiels. Nach einer inhaltlichen Besprechung lasen die Schüler die Texte mit verteilten Rollen. Nun spielten sie die Dialoge nach, wobei sie ihre Bücher noch in den Händen halten durften. Sie achteten bereits auf eine deutliche Aussprache, variierten in der Tonhöhe, setzten Mimik und Gestik bewusst ein. Schließlich spielten sie die kleinen Szenen frei, nahmen Blickkontakt mit dem Publikum auf. „Be a strict teacher!“, forderte Herr Saurenbach einen Schüler auf. Der Schüler, vor der Klasse stehend, runzelte die Stirn, räusperte sich und schaute strafend seine Klassenkameraden an. Dann donnerte er mit tiefer Stimme los. Seine Mitschüler kicherten.

Step 4: notes, grammar, homework
Noten gab es jetzt auch in Englisch und die waren mitunter alles andere als ermutigend. Das mit dem Nicht-mehr-so-gut-sein fiel einigen Fünftklässlern schwer, doch dabei vergaßen sie, was sie bisher gemeistert hatten und dass der Erfolg nicht ausbleiben musste, wenn man am Ball blieb. Viele neue und „alte“ Vokabeln hatten die Schulkinder nun in kurzer Zeit gelernt. Der Textumfang hatte sich deutlich gesteigert, dies bedeutete das Lesen, Verstehen und Wiedergeben schwierigerer Inhalte.
Fremdwörter und Fachbegriffe (Infinitiv, Possessivpronomen, Präteritum, etc.) tauchten gehäuft auf (parallel in unterschiedlichen Fächern: Deutsch, Englisch, Mathematik, etc.) und waren Grundlage für den Grammatikunterricht, die Sprachanalyse, Basis, um Arbeitsaufträge ausführen zu können.
Grammatikwissen (Watch out!) und Arbeitstechniken wie bspw. das Lernen mit einem Vokabelheft waren für die Fünftklässler neu, dazu kamen  Hausaufgaben in Englisch, wenn auch noch klein und überschaubar, doch in einem so zuvor nicht gekannten Maß. Gefordert wurde von den Schulkindern stets Aufmerksamkeit, Fleiß und Durchhaltevermögen.

Final step: How are you?

Die Fünftklässler haben viel Freude an Englisch, so versicherten sie es mir in „Übergangsbriefen“. Sie lernen gern. Herr Saurenbach liebt sein Fach auch und ist bei seinen Schülern sehr beliebt.
Mr. Saurenbach ist kein strict teacher, schon gar nicht im ”englischen Sinn”. He is a very friendly teacher. In Briefen, in denen die Kinder Gedanken zum Übertritt mitteilten, lobten sie ihren Englischlehrer über den heißen Klee. Eine Schülerin schrieb ihrem Lehrer sehr nett: „Mir macht Englisch viel Spaß. Sie haben mir viel Mut gemacht, wenn ich nicht so gut war.“ Dieser Satz gefällt mir besonders, denn er zeigt mir, wie wichtig jeder einzelne Schüler Herrn Saurenbach ist.

Ich möchte abschließend von Herrn  Saurenbach wissen:
„How are you?“
„I´m fine, thanks!”, antwortet dieser höflich und fügt hinzu:
„Ein bisschen mehr Zeit hätte ich schon gerne für dies oder jenes, z.B. fürs Rollenspiel. Ich glaube, es muss alles etwas zu schnell gehen.“
 
Simon says: „Thank you!“

Weitere Infos zum Projekt „Übergänge gestalten“ unter folgenden Links:
MGGWÜ
vgs:uege

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