Übergänge gestalten am FKG Würzburg
„Übergänge gestalten“ am FKG: Einsatzerfahrungen der ans FKG abgeordneten Grundschulkollegin
Die für das Kooperationsmodell zur Verfügung stehenden sieben Unterrichtsstunden werden ausschließlich für das Fach Deutsch in der 5. Jahrgangsstufe genutzt. Diese sind wie folgt aufgeteilt: Eine Wochenstunde Intensivierung, zwei Wochenstunden ´Individuelle Förderung´ sowie je eine Doppelstunde regulärer Deutschunterricht in zwei Klassen. Hierbei wird die Klasse geteilt und ich unterrichte jeweils eine Hälfte parallel und im Wechsel mit dem Deutschlehrer. Das ebenfalls erprobte Modell des Team-teaching wurde seltener umgesetzt, da es im meist praktizierten Frontalunterricht nur kurze Phasen mit Gruppen- oder Partnerarbeit gibt, in denen eine stärkere Betreuung der Schüler notwendig ist.
Durch den Unterricht mit halber Klassenstärke und in Kleingruppen wurde erfolgreich Raum geschaffen für individuelle Betreuung, moderne Arbeitsformen und für persönliche Gespräche mit den Schülern. Auf rasch erkannte Schwächen und Verständnisprobleme wird zielgerichtet eingegangen, so dass größeren Lücken vorgebeugt wird. Durch meine Unterrichtserfahrung in der 4. Klasse und meine Lehrplankenntnis, kann ich sehr gut einschätzen, was den Schülern schon bekannt sein sollte. Durch Einbeziehung an der Grundschule bekannter Schlüsselbegriffe, kann Vergessenes schnell in Erinnerung gebracht werden. Dies erleichtert den Kindern die Verknüpfung mit neuen Lerninhalten.
Hervorzuheben ist ebenfalls die deutlich höhere Aufmerksamkeit und Mitarbeit der Schüler in den Stunden mit halber Klassenstärke.
Insgesamt bemühe ich mich, die Unterrichtszeit mit der halben Lerngruppe für Sozial- und Arbeitsformen zu nutzen, die in einer großen Klasse nur schwer umzusetzen sind (Gruppenarbeit oder Lernzirkel). Auch den Kindern bekannte, spielerische Elemente aus der Grundschule lassen sich in der kleinen Gruppe leichter verwirklichen. Die geteilten Deutschstunden, die insgesamt geprägt sind von einer entspannten, familiären Arbeitsatmosphäre, stellen für die Schüler auch eine Art „Schonraum“ dar. Sie sind weitgehend frei von Leistungsdruck und bieten auch Raum für persönliche Gespräche mit einzelnen Schülern.
Leider konnte ich aufgrund meiner begrenzten Stundenzahl nur zwei von fünf Eingangsklassen im Unterricht begleiten. Eine Anpassung der Unterrichtsstunden an die Anzahl der fünften Klassen wäre wünschenswert.
Obwohl ich weitgehend selbstständig arbeitete, erforderte meine gesamte Tätigkeit viele Absprachen mit den Deutschlehrern der jeweiligen Klasse. Diese Gespräche waren, meist sehr fruchtbar, wurden von manchen Kollegen aber wegen des Zeitaufwands auch als belastend empfunden.
Mein Angebot zur individuellen Förderung in zwei Unterrichtsstunden am Nachmittag wurde erst in Anspruch genommen, als den Eltern durch die Deutschnoten aufgezeigt wurde, dass zusätzlicher Übungsbedarf besteht. Durch die sehr kleinen Gruppen (1 - 4 Schüler) konnte ich in enger Absprache mit dem Deutschlehrer die einzelnen Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten gezielt fördern. Den Schwerpunkt bildeten die Teilbereiche Grammatik und Aufsatz. Besonders im Bereich Grammatik konnte ich bei den Schülern zunächst gut auf das Vorwissen aus der Grundschule zurückgreifen und Lerninhalte wiederholen, die für das Verständnis des neuen Stoffes notwendig sind.
Eine weitere Unterrichtsstunde wird, wie vom Modell vorgesehen, zur Beratung genutzt.
Schwerpunkt hierbei ist der rege Austausch über Lerninhalte oder Schüler spontan im kollegialen Dialog. Gezielt informierte ich das Englischseminar über den Englischunterricht an der Grundschule (Konzept, Lehrplan, Unterrichtsmaterialien) und arbeite derzeit an einer schulinternen Fortbildung zum Thema „Übergange gestalten“ für die Kollegen am Gymnasium. An der Goethe-Kepler-Grundschule werde ich eine ähnliche Veranstaltung anbieten. Die eigens eingerichtete Sprechstunde für Eltern wurde kaum wahrgenommen.
Bei der Vorbereitung, im Unterricht und im Austausch mit Kollegen fielen mir zahlreiche Einzelheiten auf (Unterschiede, Anknüpfungsmöglichkeiten, unstrukturierte Vorkenntnisse …) deren Umsetzung sich auf meine Tätigkeit als Lehrerin an der Grundschule und am Gymnasium positiv auswirken werden und den zukünftigen Fünfklässern den Übergang erleichtern können.
Deutsch
- parallele Verwendung deutscher und lateinischer Begriffe
- strukturierteres Arbeiten im Bereich „Sprache untersuchen“
z.B. Unterscheidung persönliche Fürwörter / besitzanzeigende FW
- Ende der 4. Klasse: Aufsätze weniger genau vorbesprechen
- Aufsatz: häufigere Arbeit am Text (pos. oder neg. Beispiel)
Englisch
- Lernen lernen: Vokabeln
- regelmäßige Hausaufgaben
- sinnvolle curriculare Anordnung der Lerninhalte wichtig
- Wortschatz stärker in einfache Strukturen einbinden
- Reduzierung isolierter Wortschatzarbeit
- einfache grammatikalische Inhalte stärker bewusst machen, systematisieren und üben (z.B. Pronomen)
- mehr schriftliche Übungen zur Festigung von Strukturen
- häufigere Wiederholung von Strukturen in unterschiedlichen Situationen
- noch stärker auf richtige Aussprache achten
- kurze Texte lesen (Aussprache)
Diese Punkte sind das Ergebnis meiner Beobachtungen. Viele davon stehen im Widerspruch zu dem gegenwärtigen Konzept für Englisch im Primarbereich.
Ich fühle mich am Friedrich-Koenig-Gymnasium sehr wohl und habe viel Freude am Unterricht und an der Zusammenarbeit mit den Kollegen. Da ich im vergangenen Schuljahr leider ausschließlich am Gymnasium eingesetzt war und dort zunächst eine Basis gegenseitigen Vertrauens geschaffen werden musste, dauerte es geraume Zeit, bis Kontakte zu anderen Grundschulen geknüpft waren und verschiedene Projekte anliefen. Viele Aktivitäten, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Seminaren, befinden sich jetzt noch in der Startphase. Damit diese jetzt entstehenden Kontakte zwischen Schulen und zwischen Kollegen unterschiedlicher Schularten sich festigen können und eine vertiefte Zusammenarbeit möglich wird, wäre es sehr vorteilhaft, wenn das Projekt ´Übergänge gestalten` auf längere Sicht weiterlaufen würde, denn nur dann können Ideen sich entwickeln.
Christine Nenner
Suche
Aktuelles
Aktives Kleeblatt in Wiesentheid (LK Kitzingen)
Zum wiederholten Mal fand am 08.12.2011 im Rahmen des Projektes „Übergänge gestalten“ eine...
© 2008 Virtuelle Schule e.V.

